Wir brauchen einen Wertewechsel

Neulich las ich in der Zeitung, dass es Kreuzfahrten extra für Veganer gibt. Sie machten auch hier in Kiel Halt. Da drängt sich doch die Frage auf: Ist das eine gute Sache?

Vegan zu leben, ist eindeutig die umweltfreundlichste Ernährung. Massentierhaltung sorgt für enorm viele Treibhausgase. Viele vegane Produkte wie Milch- und Fleischersatz werden bereits aus europäisch hergestellten Rohstoffen angeboten, sodass das Argument „Die Veganer schaden der Umwelt auch durch den Konsum von Soja aus Monokulturen in Übersee“ entkräftet ist.

Doch Kreuzfahrten sind alles andere als nachhaltig. Laut den CO2-Rechnern von myclimate oder atmosfair werden bei einer 5-Tages-Kreuzfahrt pro Fahrgast 1,3 Tonnen CO2 freigesetzt. Bedenkt man, dass jedem Europäer pro Jahr nur 3 Tonnen CO2-Emissionen „zustehen“, damit sich das Klima nicht weiter erwärmt, wird klar, dass Kreuzfahrten sehr viel zum CO2-Fußabdruck des Reisenden beitragen.

Vegan ja, Kreuzfahrt nein? Für mich ein eindeutiger Fall. In Kiel sind die Kreuzfahrtschiffe sehr präsent, täglich legen mehrere an und ab. Es gibt zwar aktuell Maßnahmen, um Landstrom anzubieten, aber auf dem Wasser pusten die Riesenschiffe weiterhin enorme Mengen an Schadstoffen in die Luft.

Natürlich kommen an dieser Stelle jetzt die Gegenstimmen auf: Kiel ist geprägt vom Tourismus der Kreuzfahrtschiffe und es hängen so viele Arbeitsplätze in dem Bereich – sollen die alle arbeitslos werden? Wenn es nach mir geht, ist das eine üble Ausrede, um nichts zu tun. Wollen wir jetzt Arbeitsplätze erhalten, nur damit Menschen beschäftigt sind und in 30 Jahren in einer Umwelt leben müssen, die ihnen das Überleben schwer macht?

Beim Klimawandel geht es nicht um Einzelschicksale

Als Teil einer Gesellschaft, die auf Wachstum ausgelegt ist und in der es das oberste Gebot ist, dass jeder Arbeit hat, traut sich kaum jemand aus dem System auszusteigen. Dabei brauchen wir genau das: einen Systemwechsel, einen Wertewechsel. Weg von Einzelschicksalen, hin zum kollektiven Bewusstsein. Was ist gut für die Gesamtbevölkerung? Wie kann ich dazu beitragen? Und nicht: Mir steht aber das gleich zu, wie allen anderen: Urlaub, Haus und Kinder. Ein schwieriger Weg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.