Wie wenig Raum ist noch genug?

Urlaub auf ca. 8 Quadratmetern? Das geht! Und zwar ziemlich gut und gemütlich: im Campingfass. Wir waren Anfang Oktober auf dem Campingplatz Prinzenholz in Eutin und haben zwei Nächte im Fass geschlafen. Eine gute Vorbereitung auf ein Leben im Tiny House? #unbezahlteWerbung

Seit Anfang des Jahres entwickelt sich unsere Idee vom Leben in einem Tiny House zu einem konkreten Plan. Umso mehr begrüßten wir den Kurzurlaub im Campingfass. Leben auf kleinem Raum, funktioniert das? Wie viel ist genug? Was brauchen wir wirklich? Fragen, die sich wohl jede*r Minimalist*in stellt.

Unter Minimalismus verstehen viele Menschen immer den größtmöglichen Verzicht, ein karges Leben mit Kartoffelbrei als einziges Nahrungsmittel und leeren Wänden. Dabei bedeutet Minimalismus die Reduktion auf das Wesentliche. Ich habe dabei auch immer die Frage nach der Umweltfreundlichkeit im Blick. Beim Thema Wohnen geht es also darum: auf kleinem Raum möglichst wenig Energie und Ressourcen zu verbrauchen. Eine Möglichkeit wäre das Leben in einem Gemeinschaftshaus, was im Moment nicht so ganz unserem Bedürfnis nach Ruhe und Selbstverwirklichung nahe kommt. Daher planen wir seit Beginn des Jahres den Bau eines Modulhauses, bestehend aus zwei (gebrauchten) Seecontainern. Also nicht auf Rädern, sondern auf Wechselbrücken. Jederzeit fertig zum Transport mit einem Lkw. 25 Quadratmeter + eine Art Wintergarten (verglaste Terrasse) – so ist der aktuelle Stand der Planung. Ein Traum oder wirklich umsetzbare Realität?

Fast wie in einer Sauna

Einen ersten Eindruck vom Leben auf kleinsten Raum bekamen wir bei unserem Fass-Urlaub in Eutin. Unser erster gemeinsamer Urlaub auf einem Campingplatz. Das Fass hat im Inneren einen Bettraum mit 2,17 x 2m Fläche und darunter einen Stauraum für Gepäck. Zwischen Bettraum und Eingangstür gibt es eine Fläche von 2,10 x 2m. Dort gibt es zwei Bänke am Rand, die sich zu Einzelbetten ausklappen lassen. In der Mitte lässt sich eine Tischplatte mit einklappbaren Standfuß unter dem großen Bettraum hervorziehen. An der Decke hängt eine Infrarotheizungsplatte. Es gibt Licht, Strom und Wlan. Schon beim Betreten des kleinen, aber feinen Raumes fiel der angenehme Holzgeruch auf, der von den Blockbohlen aus Kiefernholz ausströmte. Als wir die Heizung einschalteten, überkam uns einbisschen Sauna-Feeling. Nicht wegen der Hitze, sondern aufgrund des kleinen Raumes und dem intensiven Holzaroma. Die Wände waren, wie es sich für ein Fass gehört, rund. Was beim Sitzen auf den Bänken nicht unbedingt die angenehmste Sitzhaltung bei uns hervorrief. Aber mit den Sitz-/Liegepolstern machten wir es uns richtig gemütlich.

Nach unserer Anreise mit Zug und Fahrrad freuten wir uns über das gemütliche Feeling im Fass.

Wasserkochen mit Hindernissen

Auf einem Campingplatz geht es um das Teilen gemeinsamer Räume. Sanitäre Anlagen mit Dusche und WC sind kostenfrei in der Nutzung. Handtücher und Seife hatten wir natürlich dabei. In der Gemeinschaftsküche hofften wir auf einen Wasserkocher, wurden aber stattdessen mit einem einzigen großen Topf überrascht. Ohne Deckel und ohne Topflappen schafften wir es trotzdem das kochende Wasser in unsere Thermoskanne und Tassen zu füllen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es gab auch einen gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum, den wir nur kurz am Abreisetag nutzten. Ich hatte noch ein Online-Kurstermin nach unserem Check-Out, sodass wir dort etwas verweilten. Sonst war aber niemand dort, schätze, dass die Camper doch gern für sich sind, in ihren Wagen und Vorzelten.

Hallo Nachbar…

Die Nächte im Campingfass waren erstaunlich gut. Sonst haben ich und mein Mann sehr unterschiedliche Schlafrhythmen, diesmal schliefen wir synchron ein und wachten in der Frühe gemeinsam auf. Vom Sturm draußen haben wir wenig mitbekommen, ein paar Eicheln fielen aufs Fass, das Rauschen vom Wind war zu hören, aber insgesamt war es ruhig und entspannt. Naja, bis am 2. Tag gegenüber im anderen Fass eine Großfamilie einzog. Der Trubel der Nachbarn war nicht zu überhören. Merke: beim Tiny House unbedingt auf Abstand zum Nachbarn achten!

Weitere Tiny-Inspiration

Nun, der Weg zum eigenen Modulhaus ist noch weit. Eines der größten Probleme: ein Baugebiet in der Nähe von Kiel finden, wo Tiny Houses erlaubt sind. Immerhin sind wir uns sicher, dass 8 Quadratmeter zu wenig für ein dauerhaftes Wohnen sind, aber unser 25 Quadratmeter-Grundriss erscheint unsere Vorstellungen vom idealen Leben sehr nahe zu kommen.

Vielleicht machen wir aber wenn es wieder möglich ist, nochmal Urlaub in einem Tiny House in Schleswig-Holstein, da gibt es ja mehrere Anbieter. Nicht nur um das Wohngefühl zu testen, sondern auch um weitere Möglichkeiten für platzsparende Möbelstücke kennenzulernen.

Hier eine kleine Auswahl an Tiny House Urlaubsangeboten in Schleswig-Holstein:

„Ulliwood“ – Übernachtungen im ausgebauten Zirkuswagen in Bokel https://ulliwood.de/


noordsk – Tiny House am Wattenmeer in Nordseebad Carolinensiel https://www.carolinensiel.de/nachhaltigkeit/tiny-house


TinyEscape – Tiny House in Delve bei der Eider https://www.tinyescape.de/buchen/rooms/9e722ca4-8af9-4cd8-8758-bdc0cf4b8576

Sonst gibt es auch bei Airbnb verschiedene Angebote.

1 Kommentar für “Wie wenig Raum ist noch genug?

  1. Das Leben auf das Wesentliche zu reduzieren, ist auch seit langem mein Thema. Zwar ist ein Tinyhaus nicht möglich, aber wenn alles nach Plan läuft, werde ich im nächsten Frühjahr von meiner 38qm Wohnung in eine 22qm ziehen. Bereits jetzt bin ich am Aussortieren. Was muss wirklich mit? Was brauche ich? Eine interessante Erfahrung. Danke für diesen Beitrag. Alles Liebe Karin

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