Weniger Besitz, mehr Sein

Ab wann ist man eigentlich ein Minimalist? Diese Frage stell ich mir, seitdem ich angefangen habe mich mir diversen Blogs und Websiten über das Thema Minimalismus zu beschäftigen. Wie viele Dinge darf man als Minimalist denn noch besitzen? Ist Minimalismus eigentlich nachhaltig?

Hört man Minimalismus schießt vielen Menschen gleich das Extrem durch den Kopf. Leben mit nur 100 Dingen oder sowas. Ich hab mir mal den Spaß gemacht und angefangen meinen Besitz zu zählen. Bin jedes Zimmer durchgegangen, hab Möbelstücke dazugezählt, bei der Kleidung auch Socken und Unterwäsche. Ich hab ein paar Sachen zusammengezählt, nicht als Einzelteil. Aber da liegt nämlich schon der feine Unterschied: im Zählen. Die Menschen, die mit nur x Dingen leben, lassen oftmals das Mobiliar, das Geschirr und sonst noch was aus der Zählung raus. Wie kleinteilig muss man also zählen? Ist das Bett ein Teil, obwohl es aus Gestell, Lattenrost, Matratze, Bettdecke und Kopfkissen besteht. Und was ist mit der Bettwäsche und dem Laken? Es gibt also durchaus unterschiedliche Weisen seinen Besitz zu zählen. Für mich war eigentlich von Anfang an klar, dass ich mich nicht auf eine bestimmte Zahl festlegen möchte. Ist ja auch Quatsch, ich denke jeder muss seine eigene Anzahl an Dingen finden, mit denen er sich gut fühlt.

Beim Minimalismus geht es darum, nur noch das zu besitzen, was für einen wichtig ist und was man wirklich braucht. Beim Durchgehen meines Besitzes stellte ich mir also jedes Mal die Frage, ob ich xy wirklich brauche. Ich bin nun jemand, der viel Handarbeiten macht, dadurch hab ich natürlich einen gewissen Vorrat an Wolle und Stickgarn. Ich sehe keinen Sinn darin diese Sachen weg zu reduzieren, auch wenn ich sie ein halbes Jahr lang nicht brauche. So hab ich meine Phasen, in denen ich bastle, stricke, sticke usw. Ganz anders ging es mir bei Fotoalben, die ich seit 5 Jahren nicht mehr angeguckt hatte. Erinnerungen hat man doch auch im Kopf und die meisten Fotos, die ich damals mit analoger Kamera machte, sind eh nicht besonders gut. Da fiel mir das Ausmisten schon leichter. Bei der Kleidung gibt es ja auch Vertreter der Capsule Wardrobe, die dann nur 33 Teile haben. Ich hab allein schon 22 Kleider im Schrank und ich trage jedes, manche öfter als andere, aber die Kleider sind für mich ein wichtiger Teil. Nicht nur das hindert mich an so einer reduzierten Garderobe. Weniger Kleidung bedeutet auch mehr Waschen und dass dann vermutlich auch noch nur mit halbvoller Maschine. Das ist nicht gerade umweltbewusst, nutzt man dann doch mehr Wasser, Energie und Waschmittel als bei vollen Maschinen. Bei all den Minimalismus-Blogs, die ich so lese, mag ich die Aufgeräumtheit der Bilder. Wohnungen mit spartanischer Einrichtung, halbleere Regale. Sie schaffen Platz für … ja für was eigentlich? Für Ideen? Mich stört kein leeres Regal, es animiert mich auch nicht etwas Neues zu kaufen, um es da reinzustellen. Ich genieße den Freiraum. Etwas Neues kaufe ich nur, wenn etwas Wichtiges kaputt gegangen ist und nicht reparierbar ist. Auch dieser bewusste Konsumverzicht ist Teil des Minimalismus. Wichtig dabei ist mir dann auch die Qualität und Langlebigkeit des Gegenstandes/Kleidungsstücks. So kann es passieren, dass ich das Geld, was ich vielleicht durch den Verzicht auf Spontaneinkäufe spare, in wirklich gute Dinge investiere. Dadurch lernt man die Sachen, die man besitzt, mehr wertzuschätzen.

Ich habe mich auch mit dem Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo beschäftigt. Genauer gesagt hab ich es an einem Wochenende komplett durchgelesen, so spannend fand ich es. Ehrlich gesagt, denke ich, dass die Autorin eine Neurose hat und es geht mir gezielt gegen den Strich Sachen einfach wegzuschmeißen. Aber ihre Überlegungen und Strategien auszumisten und aufzuräumen, sind interessant. Wegschmeißen tue ich dennoch nichts, sondern ich gebe alles, was mich nicht glücklich macht, ins Glückslokal.

Aufräumen nach der KonMari-Methode, links vorher, rechts nachher
Aufräumen nach der KonMari-Methode, links vorher, rechts nachher

Es geht aber nicht nur um die materiellen Dinge beim Minimalismus. Die Frage danach, was wichtig für einen selbst wichtig ist, bezieht sich auch auf das womit man seine Zeit verbringt. Am Ende meines Lebens möchte ich nicht reich an Geld sein, sondern reich an schönen Erinnerungen. Im Moment verbringe ich wirklich die meiste Zeit mit Dingen, die ich gern mache. Ich hab meine Prioritäten neu überdacht und widme mich jetzt intensiver den Projekten, die mir am Herz liegen. So wie dieser Blog. Ich plane Ausflüge anstatt Kleidung zu kaufen. Ich rede mehr mit Menschen und merke, wie sehr es mich bereichert. Mir sind gute Lebensmittel sehr wichtig, daher bin ich Mitglied in der Solidarischen Landwirtschaft und gehe oft im Bioladen einkaufen. Mir ist es wichtig, Plastik zu vermeiden, also nehme ich mir die Zeit auf den Wochenmarkt zu gehen und dort einzukaufen.

Alles, was belastet, muss weg. Belastend ist vor allem Werbung. Schließlich kaufe ich selbstbestimmt, wenn ich etwas brauche, nicht weil es im Angebot ist. Auch mein E-Mailpostfach hab ich aufgeräumt, alle Newsletter, die ich eh nicht lese, abbestellt. Alle Apps deinstalliert, die ich nicht nutze.Der Prozess des Ausmistens ist eigentlich nie wirklich zu Ende. Immer wieder entscheide ich mich, mich von Dingen zu trennen. Oftmals werden diese dann nicht weggeschmissen, sondern ins Glückslokal gegeben oder im Freundeskreis weitergegeben.

Fazit: Ich würde mich als Minimalist bezeichnen. Unabhängig von der Anzahl an Dingen, die ich besitze. Nachhaltig empfinde ich Minimalismus nur dann, wenn es nicht ums Wegschmeißen geht, sondern darum Ressourcen zu sparen und Kaufentscheidungen gut zu überdenken.

Hier ein paar Tipps zu guten Minimalismus Blogs:
Minimalismus leben
Minimalistenfreun.de
Minima Muse
Minimalkonzept

 

Habt ihr auch Interesse am Minimalismus? Fördegrün hat sich zusammen mit Heimathafen Herz zusammengetan und einen Minimalismus-Stammtisch für Kiel ins Leben gerufen. Kommt doch einfach mal vorbei!

1 Kommentar für “Weniger Besitz, mehr Sein

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