Watt, Weite und eine steife Brise

Urlaub in der Region – Büsum. Wer die Küste mag und sich auch mal ordentlich vom Wind durchpusten lassen möchte, dem empfehle ich einen Ausflug nach Büsum. Hier gibt es das Watt zu entdecken, endlose lange Deiche zu bewandern und wer mag auch einen echt guten Reiterhof mit naturnaher Pferdehaltung.

Letztes Jahr fuhr ich nach Alt Duvenstedt zum Bistensee, dieses Jahr hab ich eine Tour nach Büsum gemacht. Die Gemeinde Büsum ist von Kiel aus sehr gut mit der Bahn zu erreichen, mit Umstieg in Neumünster ist man in ca. 2,5 Stunden dort und das gerade mal für 23,10 Euro im flexiblen Schleswig-Holstein-Tarif, bei dem man nicht mal an Uhrzeiten gebunden ist. Eine Fahrradkarte gibt es für 5,50 Euro dazu. Und ein Rad lohnt sich bei den weiten Wegen am Deich entlang wirklich.

Das Watt entdecken

Die Gezeiten merkt man an der Ostsee kaum, da sie ein Binnenmeer ist. Aber an der Nordsee sieht das schon ganz anders aus. Da gibt es mehrere Kilometer weites Watt. Empfehlenswert ist eine geführte Wattwanderung, zum Beispiel von der Schutzstation Wattenmeer. Gegen Spende bekommt man eine ca. 90 Minuten lange Tour mit viel Wissenswertem über das Watt, die Gezeiten und die Besonderheiten in Büsum. Auf den ersten Blick erscheint das Watt nicht besonders weit zu gehen, in Büsum wird es nach ein paar hundert Metern von einem Priel unterbrochen. Ein Fluss, der auch bei Ebbe nicht komplett verschwunden ist, sondern so der Wattführer mit einer Maximaltiefe von 24 Metern immer bestehen bleibt. Der Priel teilt das Watt, denn hinter ihm geht es noch 12 Kilometer weiter. Bis zur Bohrinsel Mittelplate, ja richtig :( Vor Büsum wird Erdöl gefördert, mitten im Naturschutzgebiet. Die Plattform war schon dort bevor der Bereich zum Nationalpark erklärt wurde (Hier gibt es einen Artikel vom NDR, der sich mit dem Thema auseinander setzt: 30 Jahre Ölförderung vor Büsum).

Immer am Deich entlang

Büsum ist ein Kurort, daher fällt eine Kurabgabe an, eine Gästekarte kostet pro Tag 3€ (Mai-Oktober). In manchen Unterkünften gibt es aber auch günstigere Karten für den gesamten Aufenthalt. Auf dem Deich selbst haben Fahrradfahrer in der Hauptsaison nichts zu suchen, aber es gibt einen Weg daneben, der sehr gut befahrbar ist. Es sei denn, es wehen stürmische Böen. Bei meinem Aufenthalt waren es 66km/h, die mir entgegen stürmten. Beeindruckend wie unablässig Wind wehen kann! Da wurde ich mal von allen Sorgen und Gedanken freigepustet :) Der Wind trug auch die Laute aus der Ferne mit sich, so hörte ich die redseligen Deichschafe schon blöken bevor ich sie sah.

Neues erleben – auf dem Pferderücken

Nördlich von Büsum liegt Westerdeichstrich, auf dem Reiterhof Hennings hab ich ein 3-Tages-Kurs gebucht mit Vollverpflegung. Viele fangen ja bereits als Kind an, reiten zu lernen. Mich faszinierte die Idee mit einem Pferd in der Natur einen Ausritt zu machen erst seit ein paar Jahren. Reitkurse für Erwachsene sind in Kiel schwierig zu managen, meine Probestunden scheiterten an schlechtem Eindruck von der Pferdehaltung und Kurszeiten, die in die Arbeitszeit fallen. Daher entschied ich mich für einen Kompaktkurs, was sich als wirklich gute Entscheidung herausstellte.

Schön groß und so eigensinnig wie Pferde nunmal sind: Tina.

Auf dem Reiterhof Hennings leben die ca. 60 Pferde frei auf einer riesigen Weidefläche. Jeweils vormittags und nachmittags werden die Schulpferde für die Teilnehmer geholt und fürs Reiten fertig gemacht. Dabei ist der Umgang mit den Pferden wirklich sehr gut, aus meiner Sicht. Klar geht es bei Pferden immer darum, dass der Mensch Dominanz zeigen muss, aber nicht zum Leidwesen der Pferde. Die ganze Atmosphäre war stets freundlich, gelassen aber auch nicht gelangweilt, sondern aufmerksam und achtsam. Zu Beginn gab es Bodenarbeit, die Grundbegriffe mit dem Pferd üben und Vertrauen zum Tier aufbauen. Danach konnte jeweils zweimal am Tag geritten werden, an der Longe oder in der Abteilung. Auf eigenen Wunsch ritt ich ein großes Pferd, sie heißt Tina und ist ein Warmblut-Mix mit Holsteiner-Eltern. Ich hatte vier mal Longenunterricht, also Einzelunterricht an der langen „Leine“. Das war wirklich sehr gut und ich fand sogar den gleichen Rhythmus im Trab, das war wirklich ein sehr gutes Gefühl. Ein Ausritt war zwar geplant, aber das Wetter spielte nicht mit und die Pferde waren sehr unruhig. Für mich als Anfänger wäre ein Ausritt sowieso nicht empfehlenswert gewesen, da ich das Pferd ja noch nie alleine gelenkt hatte. Das lernte ich dann in der nächsten Longenstunde, trotzdem bedarf es sicher mehr Übung um auch im Gelände „Herr der Lage“ zu bleiben und nicht dem Pferd die Zügel zu überlassen. Die Verpflegung auf dem Reiterhof war auf Wunsch vegetarisch, vegan wäre vermutlich nur möglich, wenn man sich selbst versorgt.

Zum Zeitpunkt meines Urlaubs fand am Hauptstrand von Büsum ein Springturnier statt, was wir uns als Gäste angesehen haben. Pferde dürfen sonst nicht ins Watt oder auf dem Deich entlang, was für die Tiere und die Reiter in einem Turnier schon eine Herausforderung darstellte. Ich muss sagen, dass mir das Springturnier vor allem zeigte, dass es beim Reitsport viel um Dominanz geht und ich das nicht gerne ansehe. Wenn der Reiter ein Pferd dazu bringt, zu springen, obwohl es nicht möchte und mit Gerte und manchmal auch ausholenden Bewegungen bestraft, stößt das bei mir auf keinen guten Eindruck. Nunja, Tiersport ist vermutlich nie gut fürs Tier…

Kein Müll, klare Luft und ein Bioladen

Büsum ist sehr touristisch geprägt. Es gibt gefühlt tausende Restaurants immer mit Schwerpunkt Fisch, klar Büsum hat eine lange Fischertradition. Positiv ist mir aufgefallen, dass ich keinen Müll auf den Straßen gesehen habe. Es ist recht sauber. Auf meiner Rücktour hab ich noch Halt im mir einzig bekannten Bioladen gemacht: Büsum Bio. Dort gab es einen veganen Mittagstisch. Gut fand ich auch, dass die Luft so viel klarer war. Es gab keine Kreuzfahrtschiffe oder viel befahrene Straßen am Wasser. Alles war sehr auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet.

 

Insgesamt war der Urlaub in Büsum sehr erholsam. Kombiniert mit einer Auszeit vom Internet und dem ständigen Nachrichten-Checken auf dem Smartphone fühlte es sich ewig lang an. Die Zeit mit den Pferden war besonders schön, aufregend, interessant und wohltuend. Der Tagesrhythmus ergab sich durch das Reitprogramm und die Mahlzeiten, alles stressfrei und mit ausreichend Zeit, sich zu entspannen.

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