Unbedenklicher Kassenbon?

Die üblichen Kassenbons sind quasi Sondermüll. Viele denken vielleicht, dass ein Kassenbon normales Papier ist und ins Altpapier gehört. Dem ist aber nicht so. Denn in den meisten Fällen ist das Thermopapier, das mit Bisphenol A beschichtet ist. Diesem Stoff wird eine hormonähnliche Wirkung auf den Menschen nachgesagt. Landet der Bon im Altpapier und wird recycelt, existieren die schädlichen Stoffe weiter in den Endprodukten. Daher gehört der Kassenbon in den Restmüll. Schon seit einiger Zeit gibt es in Bioläden sogenannte Ökobon. Angeblich eine umweltfreundlichere Variante – doch es gibt einen Haken.

Der blaue Zettel mit schwarzer Schrift, ist nach Herstellerangaben umweltverträglich und unbedenklich. Vor dem „Bedrucken“ ist das Papier blau. Die in den Kassensystemen verbauten Thermodruckköpfe erzeugen Hitze an den Stellen, an den Schrift stehen soll. Im Ökobon werden durch die Hitze kleine Luftbläschen im Papier zerstört und die darunterliegende schwarze Schicht kommt zum Vorschein.  Alles ohne schädliche Beschichtungen, aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft und im Altpapier recycelbar. Der Bon soll beständig und lange archivierbar sein. Zudem ist er wohl öl- und wasserresistent – nach dem Trocknen soll er wieder lesbar sein. Der Bon hat auch eine Zulassung für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln.

„Diese Kassenzettel enthalten zwar kein Bisphenol mehr, dafür einen löslichen schwarzen Farbstoff, der sich beim Papierrecycling nicht ausreichend entfernen lässt, und schon in vergleichsweise geringen Mengen wie dicke Tinte zu deutlichen Helligkeitsverlusten führen kann“, sagt Diplom-Chemiker Axel Fischer vom Verein INGEDE. INGEDE steht für International Association of the Deinking industry. Es ist ein Verband von Papierfabriken, die aus Altpapier wieder neues, helles Papier herstellen. „Doch mit immer mehr Problemen“, so Fischer. Werden Ökobons nass, färbt sich ihr Umfeld dunkel bis schwarz. Keine gute Voraussetzung fürs Recycling. „Eine entsprechende Testreihe mit Verdünnung durch gut recycelbare Papiere ergab unbefriedigende Ergebnisse. Insbesondere ein Papierkorb voll Kassenzettel in der Altpapiertonne, nicht ungewöhnlich angesichts der Bonpflicht in Supermärkten und Kantinen, kann hier zu punktuell hohen Farbstoffmengen führen.“, erläutert Fischer. Zwar stehe INGEDE mit den Herstellern von Ökobons in Kontakt, aber eine recycelbare Lösung sei noch nicht in Sicht. Daher empfiehlt Fischer die Bons nicht ins Altpapier, sondern über den Restmüll zu entsorgen.

Weitere Informationen gibt es unter http://pub.ingede.com/ingede-news-februar-2020/#%C3%B6kobon und https://ökobon.de

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