Müssen wir alle Aktivisten werden?

Kürzlich schaute ich mir den TED-Talk von Greta Thunberg an und hatte im Anschluss ein schlechtes Gewissen. Ich gebe ihr in allen Punkten Recht – wir brauchen Handlungen und nicht nur Hoffnung – aber tue ich selbst genug?

Auf die Straße gehen und demonstrieren, Leute aktiv ansprechen und Aktionen organisieren – all das tue ich nicht. Regelmäßig öffentlichkeitswirksame Posts verbreiten oder mich in politischen Organisationen einbringen – all das tue ich auch nicht. Schnell kam bei mir das Gefühl hoch, dass ich nicht genug tue. Aber warum eigentlich nicht?Eine große Rolle spielt für mich das tägliche Energielevel, was mir zur Verfügung steht. Es ist begrenzt, manchmal so stark, dass ich nicht mehr tue als arbeiten gehen und nach Hause. Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich keine Energie für den Klimaschutz aufbringen kann?

Auch das Unterlassen von Dingen kann Klimaschutz sein

In Gesprächen mit anderen Menschen fand ich heraus – ich tue nicht nichts. Ich fliege nicht, ich esse vegetarisch, aber auch viel vegan, ich versuche Plastik zu vermeiden – investiere Energie in verpackungsfreien Einkauf (Extratouren zu Geschäften mit eigenen Gefäßen), ich konsumiere bewusster und vorwiegend Second Hand. Ich nutze Ökostrom und streiche meine Wände mit ökologischer Farbe. Auch das Unterlassen von Dingen kann Klimaschutz sein“ – das Nicht-Fliegen, Nicht-Fleischessen, Nicht-Maßlos-Konsumieren. Die Wirkung ist vorwiegend im Privaten, ja. Aber ich merke auch, dass das authentische Vorleben dieses umweltbewussten Lebens dazu führt, dass Menschen in meinem Umfeld inspiriert werden.

Wir brauchen Leitfiguren wie Greta

Jemand sagte mir mal, dass es in Gruppenarbeiten verschieden Typen gibt: der Macher, der Planer, der Soziale oder der Kreative. Vielleicht ist es in der Klimaschutzbewegung auch so, im übertragenen Sinne. Es gibt die Aktivisten, die auf Demonstrationen gehen, laut und publikumswirksam agieren und es gibt die Multiplikatoren, die durch ihren Lebensstil im kleineren Kreis wirken. Mir ist klar, dass wir Vorbilder/Leitfiguren wie Greta Thunberg brauchen. Dass wir mehr Berichterstattung und Dramatik beim Thema Klimawandel brauchen. Es muss sich etwas ändern. Ich fange bei mir an und meinem kleinen Wirkungskreis, vielleicht wird er mal größer, in jedem Fall bin ich ein Teil des Wandels – auf meine eigene Art und Weise.

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