Lesetipp: All you need is less

Der Titel dieses Buches „All you need is less – Eine Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht“ hat mich als Minimalistin sofort angesprochen, zudem kommt noch dass ich einen der Autoren bereits kenne. Niko Paech habe ich 2016 auf der Utopikon in Berlin gesehen und einen Vortrag von ihm gehört, zudem hab ich sein Buch „Befreiung vom Überfluss“ gelesen. Daher war ich gespannt, was er in seinem aktuellsten Werk so schreibt und vor allem wie das mit Buddhismus zusammenpasst – dem Schwerpunkt des anderen Autoren Manfred Volkers.

Das Buch beginnt mit den Kapiteln von Folkers. Er schildert, dass unsere Gesellschaft nie genug hat. Die Menschen wollen schon kurz nach dem Kauf einer neuen Sache schon wieder etwas anderes kaufen. Dieses Immer-Mehr und der beständige Ruf nach Wachstum kann nicht funktionieren. Wo Wachstum an einer Stelle ist, ist Verlust auf der anderen. Wer viele Ressourcen fördert, nimmt der Natur etwas weg.

„Solange das zentrale Merkmal der Wachstumswirtschaft („nie ist etwas genug“) erhalten bleibt, kann kein heilsamer Wandel entstehen. Die Ökonomie wird weiterhin beherrscht von Unzufriedenheit, die zu einem ständigen ‚größer, schneller, weiter‘ auffordert.“

Manfred Volkers

Um die Vermehrungs-Spirale zu durchbrechen, rät er die Motive des Konsums zu hinterfragen. Um sich deren bewusst zu werden, hat ihm Meditation und die daraus resultierende Achtsamkeit geholfen. Nur wenn Menschen eine Pause zwischen Reiz und Reaktion herstellen, kann achtsamer mit Impulsen und Wünschen umgegangen werden. Im Buddhismus wird der Mensch als Teil der Natur verstanden und ist nicht unabhängig davon. Nur wer diese Erkenntnis macht, nimmt von sich aus einen genügsamere Lebensstil an. Das Ziel sollte es sein, Maßhalten und Vielfalt der Natur in Einklang zu bringen.

In unserer Gesellschaft gibt es viel zu viele Konsumoptionen und dabei bleibt die uns verfügbare Zeit (24h/Tag) gleich. Das führe dazu, dass wir die gekauften Sachen nur kurz nutzen bevor wir uns etwas neues kaufen.

„Das Resultat ist eine Anhäufung von Wohlstandstrophäen, deren Zweck nur noch darin besteht, sich ihrer Existenz zu vergewissern.“

Niko Paech

Ein Lebensstil, der so „verdichtet“ ist, führt zu einer weiteren Konsequenz: dem Verlust der Selbstwirksamkeit. Wir können alles kaufen und müssen nichts selbst herstellen. Dadurch werden wir abhängig von Konsumgütern und fühlen uns, wenn diese mal nicht käuflich zu erwerben sind, wütend und hilflos. Unsere psychische Belastbarkeit sinkt, so Paech. (Anmerkung: Das sieht man ja auch in der aktuellen Krise…Stichwort: Klopapier)

Was kann da die Lösung sein? Richtig, Genügsamkeit oder in Paechs Worten „Suffizienz“. Doch wie viel ist genug? Fangen wir bei den Grundbedürfnissen an: Wohnen, Essen und Kleidung. Wer hier sich zum Teil selbstversorgen kann durch Gärtnern oder Herstellen von Kleidung, Bauen von Möbeln oder Reparieren von Gegenständen, fühlt sich in einer Krise nicht mehr so hilflos. Er ist resilienter, widerstandsfähiger. Zudem braucht er weniger zu kaufen. Suffizient bedeutet nicht „schmerzvoller Verzicht“, sondern die Rückgabe einer zu Unrecht angeeigneter Mittel:

„Wie kann jemand auf etwas verzichten, was ihm nie zugestanden hat, weil es auf irreversibler Plünderung von Ressourcen beruht?“

Niko Paech

Es gibt schon ein paar einzelne Menschen oder Gruppen, die Konsumverzicht leben. Dabei zeigen sie, dass das funktionieren kann. Ihr Erfahrungswissen wird in Krisenzeiten viel wert sein, so Paech.

Fazit

Insgesamt finde ich das Thema vom Buch sehr interessant und auch die beiden Perspektiven gut dargestellt. Es gibt auch ein Vor- und Nachgespräch, wo beide Autoren nochmal ihre Thesen zusammenführen, differenzieren und zusammenfassen. Während der Teil von Manfred Volkers recht einfach zu lesen war, hatte ich so meine Probleme mit Niko Paechs Kapiteln. Er schreibt sehr wissenschaftlich, mit vielen Fremdwörtern und Wörtern, wo man erstmal überlegen muss, was sie bedeuten. Da er teilweise viele diese Wörter in einem Satz nutzt, erschwert es den Lesefluss. Vielleicht deswegen oder aufgrund der aktuellen Lage und der geminderten Konzentrationsfähigkeit meinerseits hab ich zwei Monate gebraucht, um die 250 Seiten zu lesen.

Ebenfalls muss ich sagen, dass das Buch nicht ganz meine Erwartungen getroffen hat. Die Aspekte des Buddhismus, die helfen können, sich als Einheit des Ganzen zu fühlen, wurden nicht näher ausgeführt. Ich schätze mal, Buddhismus ist mehr als Meditation und Achtsamkeitsübungen. Was ich beides schon länger praktiziere. Vielleicht ist diese spirituelle Ebene noch nicht so klar für mich, ich hätte da gerne einen leichteren Zugang. Falls da jemand Buchtipps hat, wäre ich sehr dankbar!

Ich bedanke mich beim oekom Verlag, die mir kostenfrei ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.