Buchtipp: Wir sind dran

Foto: Gütersloher Verlag
Der Club of Rome ist mir erst wirklich präsent geworden, als ich auf Arbeit ein Interview mit Dr. Mojib Latif führte, der letztes Jahr zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft vom Club of Rome wurde. Der Club of Rome möchte die Menschen dazu bewegen, nachhaltiger zu leben. Daher bringen sie regelmäßig Publikationen heraus, die die Erkenntnisse der Mitglieder aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenfassen und die Bevölkerung aufrütteln sollen. Neueste Veröffentlichung ist das Buch „Wir sind dran – Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen“.

Die Denkweise muss sich ändern
Ein Umdenken in der Lebensweise ist unbedingt notwendig. Nur Verzicht zu predigieren, motiviert nicht die Masse, um endlich umweltfreundlicher zu leben. Doch das Ändern der Denkweise braucht Zeit. Der Club of Rome vergleicht es mit der Zeit der Aufklärung, die zwei Jahrhunderte brauchte, bis sie eine Änderung hervorrufte. Mit Rationalität und wissenschaftlichen Methoden gelang es damals sich von damals von veralteten Regeln zu lösen.

Der Club of Rome möchte diejenigen ansprechen, die eine neue Aufklärung suchen, die sich von Fortschritt und guten Visionen ermuntert fühlen und die einen Humanismus vertreten, der nicht primitiv anthropozentrisch ist, sondern auch die natürliche Mitwelt einschließt, und die sich trauen, langfristig zu denken.“

Teil 1 des Buches beinhaltet eine umfassende Diagnose der nicht nachhaltigen Trends unserer Zeit. Trotz der Bemühungen auf Klimagipfeln Nachhaltigkeitsziele festzulegen, ist der Erfolg der Maßnahmen nicht ausreichend. Ziel sollte es sein, Güter nachhaltig herzustellen und den Menschen klar zumachen, dass ihre Zufriedenheit nicht von immer mehr Konsum abhängig ist.

Im zweiten Teil geht es um die benötige Philosophie für eine bessere Welt. Das Grundübel liegt im aktuellen Wirtschaftssystem: „Der Wunsch nach endlosem Profit und Konsum ohne Rücksicht auf die Umwelt und soziale Ungleichheit.“ Klar wird am Ende des Kapitels auch, dass die Menschheit nicht 200 Jahre auf eine Änderung der Denkweise warten kann. Ein Handeln ist heute notwendig.

Wie nachhaltige Ideen umgesetzt werden, zeigt Teil 3 des Buches.

Manche resignieren und sagen, man könne ja doch nichts ändern. Da kann man ebenso gut Däumchen drehen oder Feste feiern. Das wäre allerdings absolut unverantwortlich […]Es gibt einen Weg in eine bessere Zukunft. Es ist die Verpflichtung von uns allen zu versuchen, diese bessere Welt zu schaffen.

Es wird klar, dass jeder etwas tun kann. Doch kein Einzelner schafft den Wandel, dazu sind viele nötig. Verschiedene Interessensvertreter müssen zusammenarbeiten (Multi-Stakeholder-Kollaborationen), damit es eine Gesamtlösung gibt, die sich langfristig hält. Jeder Leser ist eingeladen, Teil der Bewegung zu sein und seinen Part auf dem Weg in eine bessere Welt zu übernehmen.

Fazit
Mein Interesse für das Thema des Buches ist sehr groß. Es ist recht wissenschaftlich geschrieben und enthält viele Fakten – dadurch wirken alle beschriebenen Gedankengänge plausibel und verständlich. Es ist in kleine Unterkapitel aufgeteilt, was das Zwischendurch-Lesen vereinfacht. Manchmal fiel es mir schwer viele Seiten am Stück zu lesen, weil der Input sehr hoch ist und die Thematik dadurch überwältigend wirkt und die Fakten einen durchaus verzweifeln lassen. Wie furchtbar es um die Welt steht, wurde mir noch deutlicher als zuvor. Der angestrebten Aufklärung/Philosophie kann ich nur zustimmen. Unsere Welt braucht eine andere Denkweise. Doch der Weg dorthin ist noch zu lang, meiner Meinung nach. Kaum jemand fühlt sich verantwortlich, wenn ich die Menschen beobachte, die außerhalb meines Dunstkreises leben, dann sieht die Zukunft schlecht aus. Ich wünschte mir eine umfassende Neuerung, so etwas wie eine Ressourcensteuer. Die uns alle wieder zurück auf den Boden holt und uns klarmacht, was Konsum anrichtet.
Das Buch kann ich allen empfehlen, die sich mit der Thematik bereits etwas beschäftigt haben und wissenschaftliche Beweise suchen, für einen Wertewandel in der Gesellschaft. Ich brauchte zwar sehr lange fürs Lesen, schiebe das aber eher auf falsche Prioritäten und zu viel Medienkonsum…

„Wir sind dran – Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen“ ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen. ISBN 978-3-579-08693-4

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