Buchtipp: Stadt, Land, Überfluss

Bildquelle: Fischerverlage
Bildquelle: Fischerverlage

Wachstum ist nicht alles. Die Menschheit kann nicht so leben, als ob die Ressourcen der Erde unerschöpflich wären. Es ist keine ständige Steigerung möglich. Weder das Anhäufen von immer mehr Besitz noch das Aufsteigen in immer höhere Gehaltsklassen bringt dem Menschen wirklich Zufriedenheit. Jörg Schindler erzählt in dem Buch „Stadt, Land, Überfluss – Warum wir weniger brauchen als wir haben“ von Menschen, für die Geld und Besitz keine große Rolle spielen. Dabei muss es nicht immer gleich der extreme Verzicht oder das Aussteigertum sein, ein bewusstes Weniger ist für jeden im Alltag machbar. Das Ergebnis ist ein Gewinn an Lebensqualität, mehr Zeit und Zufriedenheit.

Mich interessierte dieses Buch besonders, da es sich mit Minimalismus und einer anderen Denkweise in Bezug auf Lebensqualität auseinandersetzt. Schnell merkte ich beim Lesen, dass der Autor ähnliche Ansichten hat wie ich. Voller Interesse konnte ich das Buch so ziemlich schnell durchlesen und freute mich über die kleinen humorvollen Anekdoten innerhalb der Kapitel. Zum Beispiel schreibt Schindler vom Autor Dan Kieran, dieser reiste auf denkbar langsamste Art von Ost nach West-Großbritannien mit einem batteriebetriebenen Milchwagen. Kieran sagte dazu: „Einmal fuhren wir einen Hügel hinauf und wurden von einer Hummel überholt“ (S. 131) Schon eine komische Idee, von einer Hummel überholt zu werden, aber weiterhin sagt Kieran auch, dass ihn diese anfangs lächerlich vorkommene Art zu reisen mit der Zeit immer mehr wahrnehmen und beobachten ließ, was ihm beim schnellen Vorbeifahren gar nicht aufgefallen wäre. Langsamkeit und Ruhe öffnet einem die Augen. In unserer Zeit, wo wir alle so gehetzt sind, ein wirklich guter Rat: Einfach mal betont langsam spazieren gehen und mehr von der Welt entdecken.

Sehr interessant war für mich auch die „Attitude-Behavior-Gap“. Viele Menschen sagen sich: Ja, man müsste so und so handeln. Aber tun es dann selbst nicht. Oder wie es der Schriftsteller Horváth Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieb: „Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ S. 199. Ein Phänomen, das vielen sicherlich bekannt ist. Für mich hat das auch etwas mit Authentizität zu tun. Denn nur wenn ich das tue, was ich sage, bin ich authentisch. Doch mir sind auch die Faktoren klar, die mich davon abhalten, immer das zu tun, was ich für richtig halte: Zeit und Geld. Wer ertappt sich nicht manchmal dabei, etwas Nicht-Bio zu kaufen oder Nicht-Fairtrade, weil man keine Zeit hatte, in ein anderes Geschäft zu gehen?

Zum Ende des Buches hin lässt Schindler offen, ob der Personenkreis, der aktiv gegen Überfluss vorgeht, nur ein Symptom einer Generation ist oder Vorboten einer Trendwende. Sinngemäß etwa: „Noch ist nicht klar, ob Reparierer, Teiler, Tauscher, Maker und Minimalisten nur Auswüchse einer gelangweilten Generation sind, die schon alles hat und deswegen nur zur Abwechslung Kargheit konsumiert, oder Vorboten einer Trendwende sind.“ Wünschenswert wäre für mich, dass sich mehr als nur ein Trend daraus entwickelt. Denn die Bedrohung durch die zuneige gehenden Rohstoffe ist real. Wir haben unsere Erde für dieses Jahr bereits aufgebraucht. Der Welterschöpfungstag rückt immer weiter nach vorne. Wäre es nicht besser, wenn die Menschheit freiwillig umdenkt, anstatt darauf hinzuarbeiten, dass alles kollabiert und jeder zum Verzicht gezwungen wird?

Das Buch ist erhältlich in der Stadtbücherei Kiel.

1 Kommentar für “Buchtipp: Stadt, Land, Überfluss

  1. Vielen Dank für den Tipp! Vor allem den Hinweis zur Stadtbibliothek in Kiel finde ich gut, da lohnt es sich sicherlich ohnehin einmal reinzuschauen. :)

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