Buchtipp: Mäßigung

Foto: Oekom Verlag

Die heutige Gesellschaft lebt in der Maßlosigkeit. Jeder möchte immer mehr besitzen, anhäufen, verreisen, erleben und kaufen. Woher kommt dieses Bedürfnis nach immer mehr? Brauchen wir diese Zerstreuung wirklich? Thomas Vogel geht in seinem Buch „Mäßigung – Was wir von einer alten Tugend lernen können“ dem Phänomen nach und stellt heraus, dass ein Weg mit weniger kein Verzicht ist.

Der Mensch hat die Bedeutung des Maßhaltens verloren, so Vogel. Er nimmt sich aus der Natur immer mehr, ohne zu Bedenken dass die natürlichen Ressourcen endlich sind. Thomas Vogel fordert ein Umdenken der Gesellschaft. Die Annahme, dass mehr Auswahl auch mehr Glück bedeutet, hat sich nachweislich nicht bewahrheitet. Es ist eher zu einer Qual geworden – die Menschen stehen jeden Tag unter permanenten Entscheidungsdruck, weil es so viele Optionen gibt. Mehr Auswahl bedeutet, dass man sich mehr Zeit nehmen muss, um alle Möglichkeiten zu prüfen, und am Ende die beste Wahl zu treffen. Dieser Druck treibt uns zu immer mehr Konsum und das wissen die Wirtschaftsunternehmen und nutzen ihr Marketing gezielt dazu, immer neue Bedürfnisse in uns zu wecken. Das Prinzip dahinter beschreibt Vogel so:

„Das Streben nach immer mehr ist das Ergebnis falscher Glücksversprechen der Konzerne. Permanent unzufrieden und unglücklich, brauchen die Menschen – ähnlich einem Süchtigen – immer wieder neue Produkte, um ihr seelisches Gleichgewicht herzustellen.“

Thomas Vogel benennt aber auch natürliche Triebe als Ursache für das Anhäufen von Dingen. Denn evolutionär war es von Vorteil, viel zu sammeln und auf eventuelle Ernteausfälle vorbereitet zu sein. Um das heutige Konsumverhalten zu erklären, zieht der Autor einige Philosophen zu Rate. Bereits Kant hatte es in seinen Schriften formuliert, dass der Konsum als Zerstreuung dient und über das Elend der Welt bzw. der Existenz tröstet. Es ist eine Ersatzbefriedigung für den Daseinsschmerz, so hatte es Sigmund Freud benannt.

Hauptproblem ist auch, dass der Mensch sich über die Natur stellt. Das ist ein elementarer Punkt, der sich ändern muss, um die Umwelt zu erhalten und weiterhin ihre Ressourcen nutzen zu können, so Vogel. Nur ein gemäßigter Abbau kann dauerhaft die Natur erhalten – doch Mäßigung hat in der Gesamtgesellschaft den Ruf von Verzicht. Es herrscht die Meinung vor, dass es nicht glücklich machen kann, weniger zu konsumieren. Vogel schreibt dazu:

Obwohl der Mensch weiß, dass ein unbegrenztes Wachstum bei begrenzten Ressourcen nicht dauerhaft funktioniert, werden diejenigen, die Mäßigung und Selbstbeschränkung fordern oder diese zu praktizieren versuchen, häufig insgeheim oder auch offen als naiv verspottet. Dabei handelt der Mainstream in unserer Kultur dumm im eigentlichen Sinne und müsste dafür an den Pranger gestellt werden.

Um eine Änderung des gesellschaftlichen Denkens herbeizuführen, muss jeder einzelne das System hinterfragen und auch seine eigenen Handlungen und Triebe. Nur wenn wir uns auf unsere eigenen Bedürfnisse konzentrieren, ganz ohne Werbereize, kann der Weg zur Mäßigung funktionieren. Dafür braucht der Mensch Orientierung, eine Ethik für den Alltag, Kriterien, um sein Verhalten zu bewerten. Erst dann kann ein Mensch sich entscheiden, etwas zu ändern, so Vogel. Wichtig sei es auch, sich nicht über Dinge zu identifizieren, sondern sich eine Identität aus dem eigenen Selbst heraus aufzubauen.

Das Buch „Mäßigung“ von Thomas Vogel liest sich sehr einfach und enthält viele interessante Aspekte. Es werden ökonomische, psychologische und philosophische Ansichten zum Thema Mäßigung vorgestellt und in Zusammenhang mit der Moderne erläutert. Auch wird ein Weg hin zu mehr Mäßigung in der Gesamtgesellschaft beschrieben. Alles in allem, kann ich das Buch sehr empfehlen – für jeden, ob Minimalist oder Normalverbraucher.

Ich bedanke mich beim Oekom Verlag für das Zusenden eines kostenlosen Rezensionsexemplares.

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