Buchtipp: Buen Vivir

Quelle: Oekom Verlag

In „Buen Vivir – vom Recht auf ein gutes Leben“ wird ein Leben jenseits von Wachstum geschildert, ein Konzept, dass der Natur mehr Rechte verleiht und die Erde als höchstes Gut ansieht – eine wunderbare Utopie. Angelehnt ist das Konstrukt auf dem Leben der indigenen Völker in den Anden, Bolivien und Ecuador, die fernab des Kapitalismus eine Form des Zusammenlebens gefunden haben, dass im Einklang mit der Natur ist.

In dem Buch wird in den ersten Kapiteln beschrieben, wie der Mensch den Raubbau in der Natur aufgrund wirtschaftlicher Interessen immer weiter vorantreibt. Es geht immer nur um Wachstum und mehr Geld anhäufen bzw. mehr Besitz. Doch weltweit haben auch mehrere Initiativen gezeigt, dass es sich lohnt für die Natur einzutreten und mehr Rechte für den Erhalt zu fordern.

Die Trennung von Mensch und Natur muss aufgehoben werden

Das gute Leben sieht keine Konkurrenz vor, keine Anhäufung von Besitz, Menschen sind keine Objekte und die Natur wird nicht ausgebeutet. Das gute Leben ist „ein Gemeinschaftskonzept, bei dem niemand gewinnen kann, wenn nicht auch der Nachbar gewinnt“. Es geht um das große Ganze, nicht mehr nur um Einzelinteressen. Der Mensch ist Teil der Natur und steht nicht über ihr. In Ecuador wurde ein Schritt in die richtige Richtung gemacht, in der Verfassung wurden die Rechte der Natur festgehalten. Ein Ausweitung auf andere Länder erscheint den Autor des Buches, Alberto Acosta, allerdings schwierig. Da eine Umstellung des Systems auf viel Widerstand stoßen wird bei denen, die jetzt viele Privilegien inne haben.

Buen Vivir ist keine konkrete Anleitung oder ein starres Konzept. Es gibt eine Richtung vor ohne dogmatisch zu sein. Es ist keine leichte Aufgabe, eine solche Veränderung in dieser geldfixierten Gesellschaft zu bewirken. Doch der Autor ermutigt den Leser zum Handeln:

„Man darf nicht darauf warten, dass sich die Welt ändert, um erst dann tätig zu werden. Man muss schon jetzt agieren, um die Veränderung der Welt anzustoßen…“

Es sind Konzepte für Utopien gefragt, die das Buen Vivir möglich machen. Utopien müssen auch erzählt und weitergeteilt werden, damit immer mehr Menschen zum Umdenken kommen. Immer wieder betont Acosta, dass eine Abwendung vom Kapitalismus notwendig ist. Geld kann die Natur nicht wiederherstellen, Emissionshandel ist ein reines Kapitalgeschäft. Wir brauchen eine Lebensweise, die alles umfasst und der Natur seine Regenerationszeit lässt. Dass das nicht unmöglich ist, zeigen Beispiele von zivilisationsfernen Völkern. Dabei geht es nicht um die Rückkehr zum Urvolk und das Leben auf dem Land. Auch für die Stadtbewohner braucht es Lebensformen, die sie wieder mit der Natur verbindet.

Das Buch „Buen Vivir“ umfasst ca. 200 Seiten. Die erste Hälfte behandelt vor allem die Schilderung des Raubbaus der Natur und den Beispielen der indigen Völker. Für mich wurde es erst im Kapitel über die Rechte der Natur richtig spannend. Ich mag die konsumkritische Einstellung des Autors. Offen blieb für mich, wie der Weg vom Kapitalismus weg aussehen könnte. Wir sind so festgefahren in unserem Denken, unserem Entwicklungsdrang – immer mehr, immer weiter – wie kann man die Masse der Menschen zum Umdenken bewegen? Wir sind auf Erfolg gepolt, sollen einen hohen Bildungsabschluss machen, die Karriereleiter immer weiter hochklettern, heiraten, Kinder kriegen, Haus bauen, jedes Jahr in Urlaub fliegen. Als Minimalistin entferne ich mich schon länger von diesem Denken, merke aber auch, dass die Mehrheit der Menschen um mich herum nicht nachdenkt und einfach weiter macht. Den Weg, den alle gehen – wie kann der falsch sein? Es erscheint auf den ersten Blick einfach, das zu machen, was die Masse macht, ich finde es anstrengend. Das Buch gibt viele Anregungen zum Umdenken und Hinterfragen.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass unermüdliches Engagement für die Natur extrem wichtig ist, solange bis alle kapiert haben, dass wir ohne Natur nicht auskommen und sie das Wichtigste für uns sein muss – und nicht das Geld.


Ich bedanke mich beim Oekom Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

 

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