Buchtipp: Alles könnte anders sein

Es gibt tonnenweise Informationen rund um den Klimawandel, immer wieder werden die Menschen in den Medien damit konfrontiert. Nicht zuletzt, weil Greta so präsent ist. Doch die Masse der Menschen zeigt sich nicht mal beunruhigt, …anscheinend fehlt der Wille zur Veränderung. Das Buch „Alles könnte anders sein“ vom Philosophen Harald Welzer zeichnet eine Utopie einer Welt, in der wir die Umweltprobleme in den Griff kriegen und ganz nebenbei auch viele andere gesellschaftliche Themen bewältigen. #unbezahlte Werbung

Es ist nicht die eine große Lösung, die wir brauchen, sondern eine neue Kombinatorik vorhandener Mittel, so Welzer:

„Man muss darauf schauen, auf und mit was man weiterbauen kann, und darf sich nicht auf das fixieren, was einem so dringend veränderungsbedürftig erscheint“

Stück für Stück geht er die Themenbereiche Wirtschaft, Autonomie, Fähigkeiten, Arbeit, Gerechtigkeit, Gemeinwohl, Solidarität, usw. durch. Überall sieht er Potentiale zu Veränderung, die nicht nur aufs Klima positiv wirken, sondern auf die Gesellschaft allgemein.
Punkt #1 ist dabei, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und dass dieser Aspekt in der heutigen Individualgesellschaft mit Sprüchen wie „Unterm Strich zähl ich“ überhaupt nicht mehr dem Bedürfnis nach Nähe und Miteinander begegnet.
Punkt #2 ist, dass die Ästhetik des Konsums kein Gegenpol hat. Es ist aktuell attraktiver einen SUV zu fahren und eine Flugreise zu machen, als sich umweltbewusst zu verhalten. Doch wie schafft man da einen Imagewechsel? Welzer sagt, der Hyperkonsum sei nur Ausdruck unseres unterdrückten Bedürfnisses nach sozialem Miteinander. Wir arbeiten so viel und teilweise so sinnfrei, dass wir kaum noch Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Um das zu ändern, fordert Welzer eine Abschaffung des Individualverkehrs (Vorteil: weniger Autos, bessere Luft, mehr Begegnungen mit anderen Menschen), kostenfreier Nahverkehr, das Bedingungslose Grundeinkommen (freie Tätigkeitswahl) und eine Arbeitswoche mit 15-20 Stunden. Damit genug Zeit bleibt, um sich ehrenamtlich zu engagieren, sich seiner Bedürfnisse erstmal wieder klar zu werden und Zeit mit Menschen zu verbringen, die man mag.

„Wenn Menschen nur noch 15 oder 20 Stunden pro Woche arbeiten, fällt ihnen – siehe Solidarität 80/20 – bestimmt mehr ein, was sie mit sich und ihrem Leben machen können, als in Shopping-Malls zu gehen [….] Die Leute müssen wieder den Kopf frei kriegen, dann lernen sie auch wieder Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.“

Aktuell bringt uns das Wissen um die Klimakrise kein Stück weiter. Es wird oft als gigantische, aussichtslose Aufgabe dargestellt und das demotiviert. Oft ist das „Falsche“ zu tun naheliegender als das „Richtige“. Und sei es, weil es finanziell günstiger ist, umweltschädlich zu leben. Doch:

„Niemand hat das Recht, die Welt von jemand anderem zu verbrauchen, und niemand hat das Recht, die Lebenschancen anderer Menschen einzuschränken.“

Es müssten alle Umweltschäden mit in die Preisgestaltung der Dinge einfließen. Dann sind importierte Waren teurer als lokale. Aber die Verbraucher wissen dann viel eher, woher die Sachen kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Umso mehr lokale und regionale Lösungen es gibt, desto besser.

Mein Fazit:

Ich finde das Buch sehr logisch und verständlich geschrieben. Es ist aber mit vielen Fachbegriffen gespickt, im Vergleich zur leichten Sprache der Bücher, die ich vorher las. Das Buch hinterlässt bei mir nicht das Gefühl der Aussichtslosigkeit. Eher indirekt formuliert, kann ich aus den Inhalten herausziehen, was ich tun kann, um einen Schritt in Richtung dieser Utopie zu gehen: Arbeitszeit reduzieren, mehr soziale Kontakte pflegen, versuchen durch Vorleben eines umweltbewussten Lebensstils ein positives Image vom Ökosein zu fördern und weiterhin ein konsumkritisches Leben zu führen.

Das Buch gibt es übrigens in der Stadtbücherei Kiel zum Ausleihen.

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