Buchtipp: After Work

Nach dem Motto „Sinnvoll tätig sein statt sinnlos schuften“ hat Tobi Rosswog seine Perspektive auf die heutige Arbeitskultur zusammengefasst. Es geht darum, herauszufinden, was man selbst braucht und nicht in einem System zu verharren, dass einen geistig und körperlich verkümmern lässt.

Foto: Oekom Verlag

Ich hab Tobi Rosswog das erste Mal auf der Utopikon 2016 in Berlin gesehen. Meinen Nachbericht zur Veranstaltung findet Ihr hier: „Neue Wege gehen“. Es war eine Konferenz zum Thema geldfreier Leben und Utopien leben. Das nächste Mal traf ich Tobi bei einem Workshop hier in Kiel zum Thema Degrowth in der Arbeitsgruppe Minimalismus. Seine Vorträge fand ich immer sehr inspirierend, aber oft fehlte mir auch das ganzheitliche Bild zu seiner Perspektive. Das Buch, was er nun im Oekom Verlag veröffentlichte, bietet eine gut begründete Einsicht in das Thema moderne Arbeitskritik.

Warum arbeiten wir eigentlich? Viele würden sagen, weil wir Geld brauchen, um zu überleben, um Essen und Kleidung und Miete zu bezahlen. Oder auch um die Schulden durch unsere Ausbildung zu tilgen. Doch Geld wird oft auch genutzt, um Besitz anzuhäufen und die meisten Menschen definieren sich über ihren Besitz. Wer wären wir also ohne Arbeit? Wer ohne Geld oder Besitz? 

Nicht jeder ist glücklich mit seiner Tätigkeit im Beruf. Betrachtet man es ganz nüchtern, so sind viele Berufe nicht nur sinnfrei, sondern sogar umweltschädlich. Sinnentleerte Arbeit macht Menschen krank, Konkurrenzdenken und Stress macht Menschen krank, Leistungsdruck macht krank.

Der Kapitalismus zerstört die Erde. Unendlicher Wachstum in einer begrenzten Welt ist nicht möglich und doch konzentriert sich die Politik auf Wirtschaftswachstum und verspricht Arbeitsplätze zu schaffen.

Tobi Rosswog lädt an vielen Stellen im Buch dazu ein, sich auf Gedankenexperimente einzulassen und sich bestimmten Fragen einmal konkret zu stellen. Dazu gibt er Tipps für ein arbeitsfreieres Leben. Sich informieren, die eigene Lebenswirklichkeit reflektieren und überdenken, was man selbst im Leben braucht, sich mit Gleichgesinnten zusammentun und in Teilen bereits das zu leben, was man für richtig hält. Sei es Kleidung und Gegenstände mehr wertschätzen und reparieren, anderen Hilfe anbieten, Dinge tauschen und leihen, sich einer Solidarischen Landwirtschaft anschließen usw. Sich aber auch Zeit nehmen, um alles zu verarbeiten und sich zu entspannen. Wer über einen gewissen Zeitraum dranbleibt, kann so neue Gewohnheiten schaffen und hat auch Kraft, Schlechtes zu boykottieren und andere zu inspirieren.

Für jeden Lebensbereich stellt er die Alternativen vor, die ressourcenschonend und umweltfreundlich sind, weniger Geld kosten und somit freier machen von der Lohnarbeit. Im Kapitel danach werden Initiativen vorgestellt, die genau diese einzelnen Aspekte leben und zeigen, dass es geht. Dabei geht es gar nicht immer darum, dass diese Konzepte, wie Foodsharing, gesamtgesellschaftlich funktionieren sollen. Doch wer gerettete Lebensmittel zu sich nimmt, spart Geld und schafft damit mehr Freiheit und Zeit, um sich der Frage zu stellen, was man für die Gemeinschaft sinnvolles tun könnte. Was wollen wir in die Gesellschaft einbringen? 

Viele Ideen erscheinen gesamtgesellschaftlich unmöglich, weil wir vom kapitalistischen System so sozialisiert sind, dass es uns so vorkommt. Dass jeder das tut, was er möchte und was er kann, unabhängig von Ausbildung oder finanzieller Lage – das ist die Utopie, die Rosswog anstrebt. 

Zum Ende noch ein Zitat, was ich bei der Utopikon von ihm gehört habe:

„Utopien sind „unmögliche“ Vorstellungen von der Zukunft. Geht man einen Schritt auf sie zu, entfernen sie sich um einen. Auch wenn wir die Utopie nicht erreichen, so hilft sie uns einen neuen Weg zu gehen.“

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