Algen auf dem Teller –
eine gute Idee?

Bisher kannte ich Algen nur in Form von Nori-Algen im Sushi oder als Zusatz bei Karottenlachs. Doch die Vielfalt der Algenküche ist viel größer. Es gibt getrocknete Algenflakes, Algenspaghetti oder auch Meeresalgensalat. Doch wie sieht die Umweltbilanz von Algen aus? Ich habe mit der Kieler Meeresbiologin Dr. Inez Linke von oceanBASIS gesprochen. #unbezahlte Werbung

Algen – sind das nicht diese schleimigen Pflanzen, die einem beim Baden am Strand an den Beinen kleben? Ja, aber Algen sind so viel mehr als das. Es gibt über 400.000 Arten von Algen, sie werden unterschieden in Makro- und Mikroalgen. Mikroalgen sind sehr klein. Spirulina sind zum Beispiel für ihren hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren bekannt. Während Makroalgen bis zu 40 Meter lang werden können. Es gibt Grün-, Rot- und Braunalgen. Etwa 500 Algenarten sind essbar.

Algen sind Meeresfilter

Im Meer spielen Algen eine wichtige Rolle. Sie sind Lebensraum für Tiere, filtern das Meereswasser und speichern eine Menge Nährstoffe. Algen binden CO2 und stellen Sauerstoff her. Fische und andere Meereslebewesen ernähren sich von ihnen. „Algen nehmen Nährstoffe aus Umgebungswasser auf und speichern diese. Sie sind also in hoher Konzentration enthalten“, sagt Dr. Inez Linke, Biologin bei oceanBASIS. Algen enthalten Meeresmineralien und Spurenelemente. Das Nährstoffverhältnis sei dasselbe wie in der Zellflüssigkeit des Menschen, so Linke. Besonders hoch ist auch der Jodgehalt in Algen, daher gibt es auf Produkten mit Speisealgen wie Nori-Blätter auch Hinweise zum maximalen Verzehr. Je nach Umgebungswasser können Algen auch unterschiedlich stark mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein. Stiftung Warentest hat dazu mal Untersuchungen gemacht. Wer getrocknete Algen verzehren will, sollte sie vorher einweichen und spülen, um den Schadstoffgehalt zu verringern.

Wildernte vs. Algenfarm

Algen wachsen natürlicherweise am Meeresboden und das in großer Anzahl. In Asien, wo Algen längst auf dem Speiseplan stehen, gibt es viele Algen, die in küstennahen Aquakulturen angebaut werden. Aber auch in der Kieler Förde werden Algen angebaut, in der Kieler Meeresfarm. Auf 6 Hektar werden dort Algen und Miesmuscheln gezüchtet. 1 bis 2 Meter unter der Meeresoberfläche hängen Leinen, an denen sich der Blatttang festhält. „Es wird ein zusätzlicher Raum kreiiert, sodass die Lebewesen am Meeresgrund nicht beeinflusst werden“, so Linke. Daher sei diese Anbaumethode schonend und umweltfreundlich. Doch die in Kiel angebauten Algen werden nicht für den Verzehr genutzt. „Wir ernten jedes Jahr weniger als 100kg Algen in Kiel. Das reicht nicht für den Vertrieb von Speisealgen“, so Linke. Die Kieler Algen kommen daher nur bei der Herstellung der Naturkosmetikreihe oceanwell zum Einsatz. Dr. Inez Linke sieht allerdings großes Potential für Speisealgenfarmen in der Ostsee. Aber in Küstenregionen sei es schwierig, denn hier wird die Wasserfläche für Schiffs- und Bootsverkehr sowie Wassersport genutzt.

Seit kurzem gibt es unter der Marke „Meeresgarten“ aber auch getrocknete Bio-Speisealgen von oceanBASIS. Die getrockneten Algen hierfür kommen aus der Bretagne. „Dort wachsen Algen auf natürliche Weise in Küstennähe. Ist Ebbe gehen Menschen mit Gummistiefeln ins Watt, um zu ernten. Dabei schneiden sie nicht den kompletten Teil der Algen ab, sondern lassen noch so viel stehen, dass sich die Alge wieder erholt“, so Linke. Dünger und Pestizide kommen nicht zum Einsatz. Da die Algenprodukte von oceanBASIS biozertifiziert sind, gelten die Vorschriften der EU-Rechtsverordnung für die ökologische Algenproduktion, ein Punkt daraus lautet:

„Die Meeresalgenernte darf mengenmäßig keinen gravierenden Eingriff in den Zustand der aquatischen Umwelt darstellen. Es wird durch geeignete Maßnahmen wie Erntetechniken, Mindestgrößen, Alter, Reproduktionszyklen oder Ausmaß der verbleibenden Algen sichergestellt, dass sich die Meeresalgenbestände erneuern können.“

Artikel 6c Nachhaltige Nutzung wilder Meeresalgenbestände

Ein Blick auf die Umweltbilanz

Eine konkrete CO2-Bilanz der Meeresalgen gibt es nicht. Fest steht, dass der Anbau und die Ernte per Hand erfolgt und dadurch keine hohen Energiekosten entstehen. Die Algen werden vor Ort luftgetrocknet und dann per Zug nach Deutschland gebracht. Die Verpackung besteht aus 100 % Cellulose und ist heimkompostierbar. Das bedeutet, sie verrottet im hauseigenen Kompost, aber nicht in den Biomüllanlagen der Stadt. Viele Hersteller werben damit, dass ihre Verpackungen kompostierbar sind, aber die dafür benötigte Temperatur und Zeit kann in den Biomüllanlagen nicht gewährleistet werden. Daher werden die Folien häufig doch aussortiert und verbrannt. „Bisher gibt es noch keine bessere Alternative“, so Inez Linke. „Aber immerhin sind unsere Tüten nicht aus Erdöl, sondern aus nachwachsenden Pflanzenfasern. Wenn die doch mal in der Natur landen, verrotten sie.“ Im Moment sollten die Tüten am besten über den Restmüll entsorgt werden.
Beim Kauf einer Packung Meeresgarten-Algen gehen 10 Cent an Umweltschutzprojekte von „Protect the ocean“. oceanBASIS unterstützt ein Projekt in Westafrika/Côte d’Ivoire, das Schildkröten schützt. Seit kurzem bekommt auch der Umweltverein „One Earth – One Ocean“ finanzielle Hilfe, um Geisternetze aus der Ostsee zu bergen.

Eine Prise Meer im Essen

Viele denken vielleicht, sie hätten noch nie Algen gegessen. Aber tatsächlich werden Algenzucker und Algenextrakte in der Lebensmittelindustrie verwendet. Hinter Alginat, Agar-Agar und Carragen stecken Algen. Doch wie schmecken Algen pur? Ich habe mal den Bio-Meeresgartensalat „Glücksgriff“ von oceanBASIS probiert. Aufgrund des hohen Iodgehaltes sind die getrockneten Algenflakes recht salzig im Geschmack. Beim Probieren hatte ich sofort die Assoziation: eine Prise Meer. Es erinnerte mich an den Moment, an dem ich nach dem Schwimmen in der Ostsee noch das Salz auf meinen Lippen schmecke. Aber die Algen-Flakes sind auch nicht für den puren Genuss gedacht, sondern als Gewürz oder Topping für Salat, Suppen und anderen Gerichten. Ich habe da mal ein paar Rezepte ausprobiert:

Fazit

Auf den ersten Blick erscheint der Bio-Meeresgartensalat von oceanBASIS teuer. 15,90 Euro kostet die Packung. Allerdings sind 60 Gramm enthalten und da die Algen einen hohen Jodgehalt haben, wird zu einer sparsamen Anwendung geraten. Also wirklich als Würze oder Topping. Geschmacklich finde ich es die Algenflocken leichter im Geschmack als Nori-Blätter. Besonders die Kombi mit Weißen Bohnen hat mich überrascht, wie gut sie schmeckt.

Anbau und Ernte von Algen scheinen mir so umweltfreundlich wie möglich. Ohne großen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt. Der lange Transport ist ein Manko. Makroalgenfarmen in der Ostsee kommen vielleicht ja noch. Bei der Verpackung gibt es hoffentlich in Zukunft bessere Alternativen, die sich auch über den Biomüll entsorgen lassen.

Ich denke, dass man mit gutem Gewissen ein Stückchen Meer in seinen Speiseplan einbauen kann.

***Ich bedanke mich bei oceanBasis für das Bereitstellen eines kostenloses Rezensionsexemplares***

Die Meeresgarten-Produkte sind erhältlich auf www.meeresgarten.com und demnächst auch im denns Bio-Supermarkt und in Naturkosmetikläden.

Zum Weiterlesen, gibt es hier weitere Links:

https://www.umweltbundesamt.de/algen

https://www.planet-wissen.de/natur/pflanzen/algen/index.html

https://www.geo.de/natur/oekologie/4203-rtkl-algen-was-sie-ueber-algen-wissen-sollten

https://www.test.de/Sushi-Viel-Jod-und-Schadstoffe-in-Algen-5632764-0/

https://www.kieler-meeresfarm.de/

https://www.meeresgarten.com/

https://www.oekolandbau.de/service/rechtsgrundlagen/recherchetool/merkzettel/eu-rechtsvorschriften-fuer-die-biologische-algenproduktion

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